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Informationen und Berichte

Glockenweihe 12.10. 2014

Bericht über die Glockenweihe

Sechs Jahre lang hatte ein ganzes Kirchspiel – Neukirch und Ringenhain – auf diesen Tag hingearbeitet. Nun war es endlich so weit. Die Vorbereitungen liefen zügig und planmäßig. Gespannt wurde in den Tagen zuvor der Wetterbericht beobachtet. Die Prognosen wurden immer besser, auch wenn der Blick zum Himmel ihnen nicht recht trauen wollte. Als am Sonnabend der Aufbau um die Kirche begann, verzogen sich die letzten Wolken. Eine stabile Tribüne für die Glocken hatten Gerüstbauer errichtet. Schwerlastpaletten aus dem Maschinenbau bildeten einen festen Belag. Buden für Kaffee und Kuchen, Getränke-und Bratwurststand, ja selbst Toilettenhäuschen wurden aufgebaut. Kabel wurden gezogen, Tische und Bänke hingestellt. Am Nachmittag begann an den Wagenstandorten das Winden der Girlanden. In Ringenhain, im Ober- und im Niederdorf war jeweils ein Startort für einen Glockenwagen bestimmt worden. Diese Pferdewagen standen bereit und wurden vorbereitet. Am Sonntag früh um acht sass ich mit in dem LKW, der die Glocken aus ihrem Versteck in einer großen Werkhalle holte und zu ihren Wagen brachte. Mit dem Ladekran wurden sie behutsam auf die alten Pferdewagen gehoben. Dann kamen die Helfer, um die Festwagen zu schmücken. Bis zu Mittag war dafür Zeit. Dann kamen die Pferde, von ihren Führern bestens herausgeputzt, und natürlich mit ordentlich Hafer versehen, denn etwa eine Tonne Last hatte jedes Gespann zu ziehen. Um eins setzten sich die drei Züge in Fahrt. Zwischen 2 ½ und 3 ½ km waren jeweils bis zur Kirche zurückzulegen. Voraus fuhr ein Polizeiauto, rückwärts sicherte ein Feuerwehrauto den Zug. Immer mehr Menschen schlossen sich den Zügen an. Die Strasse konnte sie bald nicht mehr fassen, der eigentlich nicht gesperrte Verkehr kam zum Stillstand. ¾ 2 kamen die Züge mit der vorausfahrenden Kutsche an der Kirche an. Die ältesten Mitglieder des Glocken-Fördervereins und drei Kinder stiegen aus. Dann rückten die Glockenwagen vor den Turm. Der große Kran, der schon zum Einheben bereitstand, hob jede Glocke vom Wagen auf das Podest. Ein Feuerwehrmann befestigte die Seile und dirigierte den Kran. Ein 40 Bläser starker Posaunenchor blies während des Abladens. Die Gespanne fuhren ab, und der Weihegottesdienst begann. Die Wege und Wiesen rings um die Kirche standen voller Menschen. Nach der Predigt wurde jede Glocke angehoben und mit einem lange, kräftigen Lärchenstamm dreimal angeschlagen. Die kleine Glocke schlug eine 99-jährige Frau zusammen mit zwei Kindern an. Für dieses älteste Gemeindeglied war es die dritte Glockenweihe, die sie miterlebte. An die Große Glocke schlugen Pfarrer und Bürgermeister gemeinsam an, ein schönes Symbol für ein gutes Miteinander auch bei Gewaltenteilung. Kirchenchor und Kinder sangen, zu jeder Glocke sagten Kinder Gedichtstrophen auf, und nach jedem Anschlagen wurde ein passender Vers gesungen. Gegen ½ 4 war die Weihe beendet, das fröhliche Fest nahm seinen Lauf. 80 Kuchen wurden mit vielen Litern Kaffee genossen, 500 Bratwürste waren bald alle und mußten ergänzt werden. Und über allem zogen leichte Federwolken dahin – der Tag hätte nicht schöner sein können. Das beliebteste Fotomotiv war vor der Glockentribüne. Darauf hatten wir auch die große tönerne Spendenglocke gestellt, die dann auch reichlich gefüttert wurde. Über 1000 € haben wir später gezählt, dazu zwei Umschläge mit zusammen 800 €. Pfarrer Briesovsky bekam dann einen Anruf von der Polizei mit der freundlichen Frage, wie viele Besucher denn da seien. Der Polizeihubschrauber hatte gezählt: 2300 Leute bewegten sich im Bereich der Kirche. Damit hatte wir nie und nimmer gerechnet. Alles blieb friedlich und fröhlich, man sah rundum strahlende Gesichter. Mit Eintritt der Dämmerung verlor sich das Gewimmel, nur die geschmückten Glocken blieben auf ihrem Podest, von einem Scheinwerfer angestrahlt. Zu ihrer Sicherheit hielten drei Feuerwehrkameraden Nachtwache, bis am Montagmorgen die Handwerker kamen, um die Glocken einzuheben. Nun packte der große Kran richtig zu. Mühelos schwebten unsere Neuen hinauf in ihr schön vorgerichtetes zu Hause in 26m Höhe. Wieder war viele Zuschauer und auch der Posaunenchor dabei. Wir alle hier hoffen, dass diese Glockenstube die nächsten 500 Jahre ihr Domizil bleiben möchte. Nun sind die Maurer dabei, das aufgebrochene Schall-Loch zu schließen. Um die Glocken herum errichten Zimmerleute den neuen eichenen Glockenstuhl. Die Geläutbauer werden sie bald darin aufhängen und die Antriebstechnik einbauen. Am 1. Advent werden die Glocken dann ihren Dienst in unserer Gemeinde mit dem ersten Läuten aufnehmen.
Es war ein langer, machmal beschwerlicher Weg bis hierher. Die Freude über diesen Schatz, den unsere Gemeinde nun ihr eigen nennen darf, läßt aber alle Mühen verblassen. Gott halte seine schützende Hand über dieses Dorf und seine Glocken. Er kann Menschenherzen durch ihren Ruf so anrühren, dass bleibender Segen daraus erwächst. Darum wollen wir IHN für uns und unsere Nachfahren bitten.

Der Glockenförderverein

Neukirch, am 15. Oktober 2014