Kirchgemeinden Neukirch & Steinigtwolmsdorf

Andacht Heilig Abend 2020

„Ihr habt uns durch Jahrzehnte hindurch so unvergleichlich schöne Weihnachten bereitet, dass die dankbare Erinnerung daran stark genug ist, um auch ein dunkleres Weihnachten zu überstrahlen. In solcher Zeit erweist es sich eigentlich erst, was es bedeutet, eine Vergangenheit und ein inneres Erbe zu besitzen, das von dem Wandel der Zeiten und Zufälle unabhängig ist. Das Bewusstsein von einer geistigen Überlieferung, die durch die Jahrhunderte reicht, getragen zu sein, gibt einem das sichere Gefühl der Geborgenheit.“
Dietrich Bonhoeffer - Weihnachtsbrief an seine Eltern Dez. 1943

 


Weihnachten 2020 – wieder geht ein Jahr zu Ende – aber es war kein gewöhnliches Jahr, das steht fest – ein Jahr am Beginn einer Krise? Einer Krise vielleicht, von der wir noch in keinster Weise wissen, wohin sie uns führen wird. Coronapandemie – Wahlen in Amerika – Wirtschaft im Shotdown – Islam und Islamismus – Lebensversicherungen am Ende – Afrika wächst – Europa schrumpft – Globalisierung und Nationalstaat – Mann und Frau von Anfang an oder Entscheidungssache des Einzelnen mit diversen Optionen? – Kinder als Klimakiller oder wie retten wir das Weltklima?

1000 Themen – 1000 Fragen – 1000 Antworten! Ohne Gott keine Orientierung. Ohne Gott verirren wir uns in Abstrusitäten und unerhörte Stimmen fordern von uns Gehör, bis wir irgendwann nicht mehr wissen, ob wir Männlein oder Weiblein sind.

Ja, wenn Gott tot ist, dann sind wir verdammt, seinen Platz einzunehmen, wusste schon der Philosoph Friedrich Nietzsche im 19. Jhd. „Ihr werdet sein wie Gott!“ hat die Schlange dem Menschen am Anfang versprochen. Und sie hält ihr Versprechen - nur anders als der Mensch es sich erhofft hat. Wir spüren es zunehmend: die Last erdrückt uns. Vielleicht ist heute ja jeder sein eigener Gott aber keiner ist ein Übermensch. Wer aufmerksam ist, merkt, wie es uns aus der Hand gleitet.
Noch sind wir mitten drin in einer Entwicklung von der niemand weiß, wie es ausgeht und wohin es führt. Wie in einen Fluss sind wir geworfen – alles um uns fließt – und wir selber schwimmen ohne ein rettendes Ufer zu sehen.

Einen Felsen gibt es in diesen tosenden Wassern, auf den könnten wir uns retten und Halt finden, wenn wir nur glauben könnten. Gott hat ihn aufgerichtet. Doch dazu brauchten wir die Demut, einzugestehen, dass wir nur Menschen sind, Geschöpfe, die ohne den Schöpfer bald erschöpft sind, Sünder auch, die oft genug an ihren eigenen Maßstäben schon scheitern. Der Mensch, der das alles aber bejaht und bereit ist sich zu beugen, der findet auf diesem Felsen Rettung.

Dieser Fels ist kein Muskelprotz wie Arnold Schwarzenegger, auch kein Genie wie Albert Einstein, es ist kein frommer Kämpfer, der sein Schwert zieht, um zu verteidigen, was ihm heilig ist, wie Petrus in Gethsemane – das alles nicht!

Der Fels unserer Rettung ist einer, der aus Liebe auf alle Macht verzichtet hat, dessen Geburt in einem Stall beim Vieh geschehen ist und dessen irdisches Leben genauso schmählich zu Ende ging, wie es begonnen hat. Aber von ihm – und von ihm allein! – ist uns verheißen: „Wer an seinem Namen glaubt und ihn anruft, der wird gerettet werden.“

Pfarrer Paul Deitenbeck schreibt:

„Man hält den Atem an: Der Schöpfer aller Wesen wird Geschöpf. Gott selbst wird in eine Biographie eingespannt. Ein bestimmter Tag im Lauf der Weltgeschichte wird sein Geburtstag. Unglaublich: Gott wird in Windeln gewickelt, wie jedes andere Kleinkind. Gottes Selbstoffenbarung geschieht also als Selbstdemütigung. Gottes Weg gleicht einer Karriere nach unten, damit auch der Ärmste, der Gescheitertste, der Verlorenste sich nicht zu scheuen braucht, zu ihm zu kommen. Nun dürfen zahlungsunfähige Schuldner Mut zu Gott fassen und bei ihm sich aussprechen und sich ihm ausliefern. Christ, der Retter ist da!“

Ich wünsche Ihnen eine gesegnete Weihnacht, Ihr Pfarrer Briesovsky