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Andacht von Pfarrer Briesovsky

Jahreslosung für 2019:

Suche Frieden und jage ihm nach!

Psalm 34,15

Liebe Leserinnen und Leser,

Jedes Jahr in der Osternacht versammeln sich die Neukircher auf dem alten Friedhof am Osterfeuer und tragen es zur Kirche, um die neue Osterkerze daran zu entzünden. Die Gemeinde folgt ihrem hellen Schein und antwortet auf den dreimaligen Ruf: „Christus ist das Licht“ dreimal mit „Gott sei Lob und Dank“. Nach dem dritten Ruf vor den Altarstufen werden mit dem Licht der Osterkerze die übrigen Kerzen in der Kirche entzündet und der Lobpreis auf das Osterlicht, das „Exultet“ ist zu hören. In den 50 Tagen der Osterzeit bis zum Pfingstsonntag brennt die Osterkerze dann zu jedem Gottesdienst. Dass wir sie nicht das ganze Jahr über entzünden, ist leicht zu verstehen: Der unbedachte Umgang mit einem Symbol trägt dazu bei, die eigentliche Bedeutung des Symbols zu verflachen. Hätten wir Pfefferkuchen oder Christbäume das ganze Jahr über, würden wir sie nicht mehr mit dem Weihnachtsfest in Verbindung bringen. Symbole müssen etwas Besonderes bleiben. Die brennende Osterkerze stellt uns Jesus Christus, der als Auferstandener das Licht der Welt ist, zeichenhaft vor Augen.

Das wird u.a. durch den Kerzenschmuck deutlich. Ein großes Kreuz ziert die Osterkerze und in dieses Kreuz werden fünf Wachsnägel eingebracht, die für die fünf Wunden Christi stehen. Eingeschlossen ist das Kreuz vom ersten und letzten Buchstaben des griechischen Alphabets, dem Alpha und dem Omega. Zusammen sind sie ein Symbol für Christus, den Anfänger und Vollender des Glaubens, Herr über Zeit und Ewigkeit. Auch die Zahl weist auf ihn hin – sie bezieht sich auf die Geburt Christi und zählt die Jahre bis zu seiner Wiederkunft als Richter und Erlöser am Ende der Zeit. Vor allem aber wird die Ostersymbolik dieser Kerze durch ihre liturgische Funktion innerhalb der Osternacht deutlich:
Christus geht aus der Finsternis des Todes als das Licht hervor - das „Licht der Welt“, das mit der Botschaft der Vergebung und der Auferstehung der Toten auch unser Leben hell macht und uns Hoffnung schenkt. Wie er, so werden auch wir, die wir auf seinen Namen getauft sind und auf ihn hoffen, einmal auferstehen zum ewigen Leben und bei ihm sein. Hinter der Kerze ziehen wir am Ostermorgen in die dunkle Kirche ein.

Der biblische Hintergrund dieser Prozession ist die Herausführung Israels aus Ägypten. Dort heißt es in 2. Mo 13,21 „Der HERR zog vor ihnen her, am Tage in einer Wolkensäule, um sie den rechten Weg zu führen, und bei Nacht in einer Feuersäule, um ihnen zu leuchten, damit sie Tag und Nacht wandern konnten. Die leuchtende Osterkerze mit ihrer säulenartigen Form ist für die Christen das, was die leuchtende Feuersäule für das Volk Israel war: Der Wegweiser in die Freiheit. Dass die Gemeinde der Osterkerze folgt, symbolisiert, was wir zu Ostern feiern: Gott befreit sein Volk, und führt es in sein Reich. Dazu geht er den Gläubigen, wie schon damals den Israeliten, voran, um ihnen in der Dunkelheit des Lebens den Weg zu zeigen. Und weil die Taufe den persönlichen Beginn dieses Weges mit Gott markiert, wird die Osterkerze über die 50 Tage der Osterzeit hinaus auch zur Tauffeier entzündet, zur Konfirmation oder zur Trauung und auch zur Beerdigung kann sie leuchten. Für unseren Lebensweg mit seinen Höhen und Tiefen, sagt Christus uns im Monatsspruch zu: „Siehe, ich bin bei euch alle Tage, bis an der Welt Ende.“ Darum lasst uns getrost und im Vertrauen die Wege gehen, die der auferstandene Herr uns leitet.

Eine gesegnete Osterzeit,

Ihr Pfarrer Briesovsky