Startseite | Impressum | Andacht von Pfarrer Briesovsky | Kontakt | Datenschutzerklärung

Andacht von Pfarrer Briesovsky

Jahreslosung für 2019:

Suche Frieden und jage ihm nach!

Psalm 34,15

"Erlaß mir meiner Sünden Schuld und hab mit deinem Knecht Geduld!
Zünd in mir Glauben an und Lieb, zum ew´gen Leben Hoffnung gieb!“

GLEVH

Liebe Leserinnen und Leser,

GLEVH – was soll das denn für eine Stellenangabe sein, mag sich mancher von Ihnen fragen. Die Irritation ist berechtigt, denn aus der Bibel, so wie sonst, stammt sie nicht. Der Vers dagegen wird mindestens den Neukirchern vertraut vorkommen. Es ist die Inschrift über dem Portal der Neukircher Kirche und es ist nicht irgendeine Inschrift, sondern es ist ein Schuldbekenntnis.
Wir haben die Inschrift samt dem goldenen Strahlenkranz darüber erneuert. Damit ist die Außensanierung der Kirche abgeschlossen und am 6.10. zu Kirchweih wollen wir einen Dankgottesdienst feiern. Doch was hat es nun mit dem erwähnten Kürzel auf sich? Über dem Schuldbekenntnis befindet sich in hebräischer Schrift der Name Gottes, den Gott am brennenden Dornbusch Mose offenbart hat - das sogenannte „Tetragramm“. Es steht in einer Sonne, die aus der Verborgenheit hinter Wolken hervorleuchtet. So wird deutlich, wessen Haus wir hier betreten. Umrahmt ist der Strahlenkranz von einem Lobpreis Gottes: Glorie Lob Ehr Vnd Herrlichkeit. Wenn man die fünf Anfangsbuchstaben zusammenstellt, erhält man das Kürzel: GLEVH.
Diese fünf Buchstaben sind die Initialen von Georg Ludwig Erasmus von Huldenberg. Der Freiherr war es, der den Turm der Kirche errichten und das Sündenbekenntnis anbringen ließ. Es dürfte einmalig sein, dass ein Herrscher über den Eingang zu seiner Kirche ein solches Schuldbekenntnis schreibt. Welcher Herr gesteht seinen Untertanen bei jedem Kirchgang gut lesbar ein, dass er ein großer Sünder und auf Gottes Vergebung angewiesen ist?

Hinter diesem Schuldbekenntnis steckt eine tiefe Erschütterung in seinem Leben. Einige Jahre lang hatte er Anhänger der Herrnhuter Brüdergemeine verfolgt und mit empfindlichen Strafen belegt. Reichsgraf von Zinzendorf hatte dieselbe im benachbarten Berthelsdorf 1727 ins Leben gerufen. Freiherr von Huldenberg hielt sie für gefährliche Sektierer, obwohl sie ein vorbildliches Leben führten und ihnen wenig vorzuwerfen war. Dann aber musste der Freiherr mehrere schwere Schicksalsschläge kurz nacheinander einstecken. Das Fass zum Überlaufen brachte schließlich der Umstand, dass nach dem Brand seines Schlosses auf dem Korb mit den Überresten, der ihm gebracht wurde, ausgerechnet ein leicht angekohlter aber gut erhaltener Brief Zinzensdorfs an ihn lag. Darin bat Zinzendorf den Freihherrn um Nachsicht für die Neukircher Anhänger seiner Bewegung. So kam von Huldenberg ins Nachdenken und ihm wurde klar, dass Gott selbst ihn durch diese Ereignisse zur Umkehr bewegen wollte. Das Ergebnis seines Nachdenkens lesen wir bis heute über dem Portal. Er bat Gott um Vergebung und unterstützte fortan nach Kräften die zuvor Verfolgten.
Gott redet auch mit uns. Oft tut er das leise und leicht überhörbar. Am klarsten spricht er mit uns aber nicht in Katastrophen sondern in der Kirche, wenn wir aus der Heiligen Schrift sein Wort hören. Der kommende Buß_ und Bettag will Gelegenheit sein, sich vor Gott zu fragen, wie unser Leben aussieht. Außer dem Menschen ist kein anderes Geschöpf in der Lage, sich selbst zu betrachten und wenn nötig Korrekturen vorzunehmen. Freiherr von Huldenberg hat uns hierbei ein großes Vorbild hinterlassen.
Ihr Pfarrer Briesovsky