Kirchgemeinden Neukirch & Steinigtwolmsdorf

Andacht von Pfarrer Briesovsky

Jahreslosung 2021

Seid barmherzig, wie auch euer Vater im Himmel barmherzig ist. (Lukas 6,36)

Monatsspruch Juli

Gott ist nicht ferne einem jeden unter uns. Denn in ihm leben, weben und sind wir.

(Apg. 17,27)

Liebe Leserinnen und Leser,

mancher hat sich in den letzten Wochen bestimmt gefragt, wo wohl der Pfarrer geblieben ist. Ich denke, es hat sich herumgesprochen, dass ich krank war. Das Coronavirus hatte unsere ganze Familie im Griff und uns Eltern hat es dabei ziemlich ernst erwischt. Allen, die im Gebet an uns gedacht haben, danken wir darum auf diesem Wege ganz herzlich für ihre Fürbitte. Wir sind sehr froh, dass wir die Erkrankung überstanden haben. Als Pfarrer war ich damit für einige Zeit fern von meiner Gemeinde. Ganz gewiss nicht fern von seiner Gemeinde, ja von uns allen, war und ist aber der lebendige Gott. Das sagt im obigen Monatsspruch für den Juli einer, der sein Wirken in besonders eindrücklicher Weise erlebt hat: Paulus oder wie er mit seinem zweiten Namen heißt: Saulus.

Wenn jemand im guten Sinne um 180° sein Leben ändert, dann sagen wir: „Er hat sich vom Saulus zum Paulus gewandelt“. Die Redewendung hat hier beim Apostel Paulus ihren Ursprung: Aus einem, der in religiösem Eifer die ersten Christen verfolgt hat und Freude hatte an ihrem Tod, wurde durch eine Begegnung mit dem auferstandenen Christus ein leidenschaftlicher Missionar für den christlichen Glauben. Und als solchen hören wir ihn hier im Monatsspruch, wie er in Athen, der stolzen Kulturhauptstadt der damaligen Welt, für den Glauben an Christus wirbt und sagt: Gott ist keinem von uns fern! Er umgibt uns wie das Wasser die Fische umgibt, die darin schwimmen, ohne es zu merken, oder wie die Luft, die wir atmen, ganz gleich, ob wir an ihn glauben oder nicht.
Ich habe das in den Jahren, die ich inzwischen als Christ lebe, auch schon so manches Mal gespürt. Die jüngste derartige Erfahrung war das Ausgeliefert sein an ein Virus bis hin zu der Angst, einen geliebten Menschen zu verlieren und dann die Wahrnehmung der Vielen, die uns versichert haben: „Wir denken an euch!“ und die Erfahrung der Heilung. Für Menschen, die einen zwingenden Gottesbeweis suchen, ist das wohl zu wenig. Für mich aber, der ich auf die Nähe Gottes vertraue, sind Krankheit und Genesung ein weiterer Baustein im Haus des Glaubens unter dessen Dach wir Christen wohnen. Dass Paulus sich der Nähe Gottes so gewiss ist, kommt nun nicht aus einem vagen Gefühl, wie man vermuten könnte. Menschen
können den unsichtbaren Gott wahrnehmen in dem, was er geschaffen hat und wirkt. Doch das war auch den Athenern nicht neu. Neu ist aber, dass Gott uns „in einem Mann“ nahekommt, wie Paulus den Athenern wörtlich sagt. Das hat er selbst erlebt: In Christus reicht Gott uns die Hand, damit wir unsere Hand im Vertrauen in die von Wunden gezeichneten Hände Christi legen, um so Heil und Seligkeit zu empfangen.
Das Leben vertrauensvoll in die Hand Gottes zu legen, das geschieht grundlegend, wenn ein Mensch sich taufen lässt oder als Kind zur Taufe gebracht wird. Und es geschieht jeden Tag wieder, wenn wir uns auf die ausgestreckte Hand unseres Herrn besinnen und ihm unsere leeren Hände reichen, auf dass Er sie füllt und uns führt bis zum Ziel, das er uns verheißen hat: dem ewigen Leben.

Ihr Pfarrer Briesovsky
Bild: Benvenuto Tisi Garofalo: Die Predigt des Hl. Paulus auf dem
Areopag in Athen (zw. 1535-40), Kunstauktionshaus Neumeister,
München